Wieder mal gut gegangen - von einem Unfall ohne Folgen

Zum Thema Sicherheit gehören neben den Ueberlegungen, wie wir zur Sicherheit im Gleitschirmsport beitragen können selbstverständlich auch Analysen von Unfällen, selbst wenn sie folgenlos geblieben sind. Ehrliche Aufarbeitung ist hier gefragt, denn sonst können wir nicht die richtigen Schlüsse ziehen.
In diversen Beiträgen habe ich mich schon mit Unfällen befasst, und nun komme ich zu einem eigenen Unfallerlebnis. Was läge nähe, als selber darüber zu schreiben?
Am 28.Mai 2026 kam ich zu einem kürzeren Streckenflug von der Ebenalp. Bis zum Speer lief es mir gut. Dort entschied ich mich zur Umkehr und wollte, wenn möglich, bei meinem Camperbus in der Schwende landen.
Die Bedingungen waren safe und spannend. Kein Selbstläufer aber auch nicht schlecht. Aus einer super Höhe kurvte ich von Urnäsch her via Jakobsbad und Kau in einem grossen Bogen Richtung Osten. Der erhoffte Aufwind blieb auf der ganzen Strecke aus - einzig in der Kau fand ich dann nochmals etwas und das war auch nötig, sonst hätte es eine Landung in Appenzell gegeben. Glücklich über den kurzen Höhengewinn flog ich nun Richtung dem anvisierten Landeplatz.
Dank Rückenwind war das Gleiten so gut, dass ich kurz vor dem Platz gefühlt immer noch etwas zu hoch war für die Landung. Mit 40m über Grund leitete ich eine schnelle S-Schlaufe ein, um genügend Platz für die Landung zu haben. Meine "Wunsch-Wiese" lag direkt beim Camper, aber ein Bach trennte mich noch von ihr. Rechts vom Bach lag eine ebenfalls völlig ausreichend lange Wiese, die ich hätte ansteuern können.
Mit dem tiefen und radikalen Mannöver verlor ich nicht nur mehr Höhe als erwartet - ich kam natürlich auch beschleunigt aus der Kurve. Nur ganz wenige Sekunden blieben mir, um auf die Erkenntnis zu reagieren, dass ich den Bach nicht mehr mit Sicherheit überfliegen können würde. Ich weiss noch, wie ich merkte, dass für die Wiese vor dem Bach die Richtung nicht optimal stimmte. Zu ungenau war die Ausleitung der Kurve. So ein Manöver in dieser Höhe ist wieder alle Regel der Kunst und so erstaunt es nicht, dass ich kurz danach nicht auf meiner Wiese beim Camper landete, sondern spritzend in den Bach eintauchte.
Dass eine Landung mit dem Gleitschirm selbst in einem zu diesem Moment nur mit wenig Wasser gefüllten Bach problematisch ist muss ich nicht erzählen. Dass aber bei eigentlich so wenig Wasserhöhe (schätze 10-20cm) ein Gleitschirm Kräfte aufbaut, die Du praktisch nicht mehr beherrschen kannst, musste ich nun selbst erfahren. Es war nicht nur eine enorme Kraft- und Willensanstrengung notwendig, es war auch enorm stressig. Ich brauchte eine Viertel Stunde, um den Gleitschirm komplett in meine Nähe zu ziehen. Gefühlt war er mit den Leinen im Bach veheddert, aber in Realität war es einfach nur der Zug des Wasser und das abartige Gewicht der mit Wasser gefüllten Gleitschirmkalotte. Das Lösen der Karabiner übrigens habe ich versucht. Es bedeutet, dass Du den Gleitschirm nicht geichzeitig halten kannst. Er wird vom Fliesswasser sogleich wieder entfaltet und zieht Dich alsbald gnadenlos mit. Wenn, dann muss das blitzschnell gelingen...
Nachdem ich glückllich (20 Minuten nach der Wasserlandung) auf der Wiese angelangt war, war ich einfach nur glücklich, diese eigentlich dramatische Situation so gut überstanden zu haben und wechselte zuerst mal meine Kleidung - der Camper stand ja nur wenige Meter entfernt...
Was waren (nach meiner Erkenntnis) die wesentlichen Fehler und Faktoren und was lerne ich daraus:
- Als wesentlichen Faktor sehe ich das, was ich im Artikel "Die Phasen eines XC-Fluges" als Euphoriephase beschrieben habe. Ich war von meinem schönen XC-Flug und der Tatsache, dass ich bis zum Camper Gleiten konnte euphorisch gestimmt. Als ich erkannte, dass es mit der "Camperlandung" nicht komplett funktionieren würde hätte ich mich auf eine safe Landung konzentrieren müssen. Durch das euphorische Festhalten an der Idee habe ich mich in Gefahr gebracht.
- Als wesentlichen Fehler sehe ich an, dass ich mit 40Meter Höhe noch ein derartiges Mannöver geflogen habe. Das hat mich einerseits wegen der raschen Annäherung zum Boden aber auch durch die "Kompression der verbleibenden Reaktionszeit" in Gefahr gebracht. Im Nachhinein wäre "jede" andere Variante besser gewesen.
- Mein Fazit und learnings:
° Mir ist erneut bewusst geworden, dass bei der Landung einzig die Sicherheit zählt - alles andere musst Du vergessen oder zumindest deutlich tiefer priorisieren.
° Gewusst habe ich es schon aus Erzählungen, aber nun habe ich es auch selbst erfahren - Eine Wasserlandung in fliessendem Gewässer ist hochgefährlich! Nur Dank des niedrigen Wasserstandes habe ich ohne Schaden aus dieser Situation gefunden.