Religion - wie "göttlich" ist das denn?

Neufassung vom 23.02.2026  Letzte Bearbeitung: 16.03.2026

Meine Einstellung zum Thema Religion

Kurz zusammengefasst meine ich: Abgesehen von allem, was an Religionen durchaus anziehend und positiv sein oder erscheinen kann erachte ich sie doch letztlich als einTrugbild menschlicher Vorstellung und damit eine Fiktion.​​

Göttlichkeit sähe meiner Meinung nach anders aus! Sie müsste sich nicht eines Sonnengottes, Papstes, oder Ajatollas und auch nicht eines Buddas oder Dalai Lamas bedienen. Sie müsste keine Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und auch keine Selbstmordattentäter hervorbringen, um uns Menschen auf den richtigen Weg (oder in die Hölle) zu bringen.  Sie bräuchte keine Institutionen wie Kirchen und schon gar keinen Milo (siehe Videobeitrag von  SRF). Religionen decken gewisse Bedürfnisse von uns Menschen ab (dazu weiter unten) und sie sind so gestrickt, dass sie von Menschen "verstanden" werden können. Wenn schon Gott nicht zeigbar und auch nicht tatsächlich erfahrbar war - mit Jesus als "Sohn Gottes" hat man im Christentum sozusagen einen Ersatzgott geschaffen, einen reell dagewesenen und bis zu seiner Kreuzigung erfahrbaren Stellvertreter Gottes.

Aber - der Gedanke, dass Gott seinen eigenen Sohn opfert, um unsere Schuld zu sühnen - das sind doch allzu menschliche und verzwackte Gedanken finde ich!

Göttlichkeit können wir uns schlicht nicht vorstellen, denn sie stünde ausserhalb sämtlicher Vorstellungskraft. Wozu also dann menschliche Trugbilder von Göttlichkeit erfinden und sich von Ihnen "knechten" lassen? Sie helfen uns schlicht nicht weiter und im Konkurrenzkampf der Religionen entzweien sie die Menschen mehr, als dass sie uns Frieden bringen können.

Letztlich sind Religionen seit eh und je eine der wesentlichsten Ursachen für Streit und Entzweiung zwischen Menschen bis hin zu verheerende Kriegen und Massakern bis in die heutige Zeit - wie göttlich ist das denn?


Zum Beispiel...

Gründe, warum es Religion gibt...

Wozu gibt es Krankheit?

Warum müssen wir Sterben und was kommt danach?

Warum ist das Leben manchmal so ungerecht?

Wieso....

Religion entspringt einerseits dem tiefen Bedürfnis des Menschen nach Halt, Sicherheit, Sinn, Führung, Spiritualität, Gemeinschaft usw.. Sie erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl, bietet Dir allenfalls Schutz und Hilfe, gibt Antworten auf die brennenden Lebensfragen und Ängste. Sie  schafft Zugehörigkeit aber auch Abgrenzung. Das alles kann als sehr positiv empfunden werden. 

Ein religiöse Bedürfnis besteht weltweit und seit Alters her.  Es gehört zur Geschichte der Menschheit!  Weltweit gibt es (gem. Wikipedia) mehrere tausend Religionen/Glaubensgemeinschaften. Die grössten und wichtigsten sind (in alphabetischer Reihenfolge): Alevitentum, Bahaitum, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Jesidentum, Judentum, Shintō und Sikhi. Es ist wichtig zu wissen - auch für unsere eigene Wahrnehmung - die Welt ist voll von verschiedensten Religionen und das Christentum, in dem ich z.B. aufgewachsen bin, ist nur eine von vielen Weltreligionen.

Religionen haben oft abgrenzenden Charakter. Bei den Juden ist das Volk Israel seit alters her das "auserwählte Volk" - für mich eine Extremform religiöser Abgrenzung. Diejenigen, die nicht der jeweiligen Religion zugehören, werden bei den Christen z.B. als Heiden bezeichnet. Bei den Moslems spricht man z.B. von den "Unreinen". Diese Abgrenzungen spalten Menschen, die ansonsten zusammen in derselben Region leben. Diese Abgrenzung ist Teil des religiösen Gedankengebildes und dient auch der Identität und der Bestätigung des eigenen religiösen Empfindens - dem Gefühl, "auf der richtigen Seite" zu stehen. Bei mir regt sich diesbezüglich der Gedanke, dass Religion eigentlich eine der ältesten Verschwörungstheorien überhaupt sein dürfte, um es einmal etwas krass auszudrücken.

Aber auch innerhalb der Religionen herrscht keine wirkliche Einigkeit. Allein z.B. das Christentum ist in drei grosse Zweige aufgeteilt und diese wiederum in viele, viele weitere Untergruppen. Auch die Mohammedaner sind nicht einfach einer Religion zugehörig. Auch unter den Moslems gibt es unterschiedlche und untereinander "verfeindete" Glaubensrichtungen und so wird es vermutlich auch in den vielen anderen Religionen weltweit sein.  

Das gesamte religiöse Wirrwarr auf dieser Welt zeigt meiner Meinung nach eindeutig auf, dass es beim Thema Religion einzig um Menschliches und nicht um Göttliches geht.

Wir werden im Leben mit sehr vielen Themen und ungelösten Fragen konfrontiert. Ein Umstand, der je nach Veranlagung und Denkweise zutiefst verstörend und belastend sein kann

Zugegeben - ich kann diese Fragen nicht beantworten! Aber ich habe gelernt,  auch ohne Antworten auf diese Fragen mein Leben zu leben  - oder anders gesagt:  mein Leben lieber ohne "falsche Antworten auf diese Fragen" zu leben!


Wie sind Religionen entstanden und warum brauchen Menschen Religion?

Ordnung

Nehmen wir z.B. das Volk Israel - ein Volk, das sich (lange vor unserer Zeitrechnung) auf der Flucht befindet. Nur fort aus der Unterdrückung der Ägypter... Aber je länger diese Flucht dauert, um so mehr Unzufriedenheit und Streit entsteht - Mose verliert die Kontrolle über sein Volk. Er hat eine Idee. Er geht (so überliefert es die Bibel laut späterer Aufzeichnung eines jahrhunderte zurückliegenden Ereignisses) auf einen Berg, entzündet dort ein grosses Feuer und kommt mit 10 Geboten zurück zu seinem Volk. "Gott" hat sie ihm auf dem Berg Sinai übergeben - so sagt er. Damit erhalten die Gebote die notwendige Autorität und Mose kann wieder Ordnung in sein Volk bringen.

Bis heute sind die 10 Gebote einer der mehrheitlich anerkannten rechtlichen Grundpfeiler der "westlichen" Werteordnung. Ein einfaches und grundsätzlich stimmiges Grundgesetz menschlichen Zusammenlebens also. Aber beweist oder erklärt dieses Ereignis oder diese Erzählung in irgendeiner Weise die Existenz Gottes? Nein, natürlich nicht! Diese Erzählung zeigt eine ganz wichtige Funktion von Religion im Zusammenhang mit ihrer Entstehung, nämlich die Notwendigkeit und das Verlangen nach Ordnung im menschlichen Zusammensein.

Halt finden

"Hast Du denn gar keine Angst vor dem Leben nach dem Tod?" - eine Frage, die schon mehrfach von  Christen  gestellt wurde. Diese Frage macht  mir immer wieder deutlich, dass Glaube Halt vermitteln kann. So schön das Leben manchmal auch sein mag - es hat oft genug auch ganz hässliche oder schwierige Seiten. Solche, die nur schwer oder oftmals auch gar nicht zu ertragen sind! Ich glaube, das muss ich hier nicht mit Beispielen belegen.... Die Frage nach dem, was nach dem Tod auf uns wartet ist eigentlich nur die Fortsetzung von all diesen Lebensfragen... Mit der Hoffnung auf das Paradies z.B. ködert die christliche Religion sogar genau diese fragenden und zerbrechenden Menschen mit einer Hoffnung auf Erlösung!

In dieser Unordnung, Unsicherheit und Not bietet Religion Erklärung und gibt Halt. Auch wenn dem der Schein der Illusion anhaftet, auch wenn Religion in Abhängigkeit und gar Kriege führen konnte - es scheint dennoch oft plausibler und angenehmer zu sein, als die nakte Lebensrealität, der wir ausgeliefert sind. 

Gerne wiederhole ich hier darum nochmals meine Aussage von oben... "Ich habe gelernt,  auch ohne Antworten auf diese Fragen mein Leben zu leben  - oder anders gesagt:  mein Leben lieber ohne "falsche Antworten auf diese Fragen" zu leben!"

Die Welt ist grossartig - das kann nur göttlichen Ursprungs sein!

Es scheint wie die Kontradiktion des obigen Abschnittes zu sein, weil es gerade unter Physikern viele gläubige Menschen gibt, die in der Grösse dessen, was sie erforschen zwingend ein göttliches - übergeordnetes Handeln schlussfolgern.  Es gibt diverse Hinweise im Internet betreffend nahmhaften Physikern, die sich klar zum christlichen Glauben bekennen (z.B. AntonZeilinger). 

Was ich mich dann immer gefragt habe ist: "Aber warum ist dann genau der christliche Glaube der Richtige?" und ich kann nur eine Schlussfolgerung als stichhaltig erkennen - weil der christliche Glaube in diesen Wissenschaftlern bereits vorhanden war. Ich fand bei meiner Suche im Internet eine Aussage von Albert Einstein . Er findet für mich dazu die folgenden Worte: "Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe dies nie geleugnet, sondern stets deutlich zum Ausdruck gebracht. Wenn es etwas in mir gibt, das man als religiös bezeichnen könnte, dann ist es meine grenzenlose Bewunderung für die Struktur der Welt, soweit sie uns die Wissenschaft erschließen kann." 

Mit dieser Aussage kann ich mich absolut identifizieren - auch ich kann mir vorstellen, dass über all dieser Grossartigkeit des Universums noch etwas anderes sein kann.  Das Universum aber kann nicht dazu dienen, Gott zu beweisen und schon gar nicht irgendeine Glaubensausprägung - denn diese sind alle menschlich! Dazu auch noch die nachfolgenden Gedanken...

Religion im Wandel der Zeit 

Dass z.B. die biblischen Texte aufgrund von Ueberlieferung jahrhunderte oder viele Generationen später schriftlich festgehalten wurden scheint an der Glaubwürdigkeit dessen, was da geschrieben steht bei Christen keine grundsätzlichen Zweifel aufkommen zu lassen. Dass aber die biblische Schöpfungsgeschichte z.B. so gar nicht mehr zum heutigen Verständnis der Evolution passen mag, können sie offenbar ausblenden oder erklären sie wie folgt: "Das hat man sich halt damals nur so vorstellen können" - "Irgendwie musste man sich das ja damals erklären".

Religion und religiöses Verständnis geht teilweise mit der Zeit - es muss sich anpassen. 

Das zeigt für mich ein ganz wesentliches Phänomen auf, mit dem z.B. Christen heute Leben müssen. Die Aussagen der Bibel können nicht in allen Teilen für wahr und korrekt angesehen werden.  Es muss daher eine Auswahl getroffen werden zwischen "Erzählung" und "Wahrheit" - zwischen dem, was wesentlich oder göttlich ist und dem, was man "heute halt anders sieht". Genau in diesem Auswahlkonflikt stehen sich die unterschiedlich geprägten christlichen Glaubensrichtungen unter anderem gegenüber. Von den strenggläubigen Christen (die die Bibel komplett als Wahrheit betrachten) bis hin zu den säkulären Christen (die, wie ich meine ihre Erziehung nicht abschütteln können) ergibt sich ein weites Feld menschlichen Religionsverständnisses - allein im Christentum.

Der Wandel im Bereich der Sexualität zeigt dies auch auf. Klassisch ist im Christentum die Ehe heilig. Ehebruch jedoch wurde seit eh und je vor allem der Frau angelastet - entsprechend der patriachalischen Grundhaltung des Christentums.  Mit den Möglichkeiten der Verhütung änderte sich zwangsläufig das Verhalten der Menschen und die Religion musste Antworten finden auf die neue Situation. Auch das führte wieder zu Spaltungen innerhalb der Religion. Die einen blieben beim bisherigen Verständnis und lehnen Sexualität ausserhalb der Ehe weiterhin ab bis hin zu denen, die z.B. auch Abtreibung und Scheidung noch mit dem christlichen Glauben konform ansehen.

Die im Christentum zu beobachtende schwindende Basis an Gläubigen kann aber heutzutage kaum noch aufgehalten werden, weil heute ein entscheidender Faktor fehlt!

Religion ist Macht

Dass Religion immer schon in einer Symbiose zu Macht stand ist eindeutig. Religion hat bei Mose und in allen Zeiten danach und davor auch dazu gedient, Macht über Menschen zu haben. Wie hässlich das ist sehen wir aktuell im Iran und an vielen anderen Orten der Welt - immer wieder. Die Macht der Religion entlarvt sich für mich jeweils an ihrem Umgang mit den Menschen. Ob Inquisition, Kreuzzüge, Ablasshandel oder auch nur die Notwendigkeit, dass Menschen sich von Ihrer Schuld (Sünde) befreien müssen -  das alles dient und diente nicht den Menschen und gewiss auch keinem Gott , sondern nur der Institution Kirche und denen, die diese Institution für ihre weltlichen Zwecke ausnutzen, zur Festigung ihrer Macht. Genau diese Macht erodiert jedoch im Christentum z.B. zusehends - selbst im auf Macht spezialisierten Katholizismus!

Religion braucht Gewissheit und Bestätigung 

Ich selber kenne nur die christliche Religion und Glaubenslehre gut. In christlichen Kreisen z.B. wird oft behauptet, Gott habe mit einem gesprochen - man habe Gott wirklich persönlich erfahren - immer wieder. In Freikirchen wird diese  "Gewissheit"  als Realität empfunden - Voraussetzung dafür ist oftmals, dass der "Gläubige" sein Leben vollständig in Gottes Hand gelegt und eine Widergeburt erlebt hat. 

Diverse Situationen und Erlebnisse werden als direkter Fingerzeig Gottes interpretiert und dienen als Beweis für die "Führung Gottes" im täglichen Leben. Viele christliche "Gläubige" treten auch mit einem Sendungsbewusstsein auf und "brennen" dafür, andere Menschen zum wahren Glauben zu führen (siehe Milo:  Videobeitrag von  SRF ) . Aus meiner Sicht handelt es sich hierbei vor allem um Mechanismen der Selbstbestätigung. Auch der Glaube kann zu Zweifeln führen und darum sucht und benötigt der gläubige Mensch immer wieder Bestätigung - auch für seinen Glauben.


Disclaimer

Alles das, was ich hier zum Thema Religion schreibe ist letztlich natürlich meine Meinung. Ich will nicht grundsätzlich denen, die den Glauben suchen, etwas wegnehmen. Dennoch erachte ich es als wichtig, sich zum Thema GLAUBEN Gedanken zu machen. 

Ich selber habe in meiner Zeit als aktiver gläubiger Christ starke Zerrissenheit verspürt. Mit ca. 30 Jahren entschied ich mich bewusst gegen den christlichen Glauben - und Religion ganz allgemein . Ich wusste, dass ich "Gemeinschaft" verlieren würde - gewonnen habe ich so etwas wie Freiheit und ich  konnte ein Gefühl abschütteln, das mich hin- und hergerissen hat zwischen dem Glauben und meiner Lebensrealität. 

Ich sagte Gott zum Abschied: "Du weisst, wo Du mich findest", aber er hat sich seither nie gemeldet! Dieser Gedanke war durchaus ernst gemeint. Ich wollte nicht länger einer "Idee" nachfolgen - wenn Gott für mich wirklich erfahrbar gewesen wäre - so voll real - ich hätte wohl kaum Probleme damit.... Womit ich aber ein Problem habe ist, dass Gott existieren soll, nur weil ich es glaube! Glauben aber heisst in seiner Wortbedeutung "nicht  Wissen" - damit konnte ich mich nicht mehr zufrieden geben. Ich bereute es keinen Tag.

Religionsfreiheit bedeutet für mich nicht nur die Freiheit Glauben zu dürfen - sie impliziert letztlich für mich auch das berechtigte Anliegen Ungläubiger vor religiösem Wahn geschützt zu werden.  Dazu noch folgender Artikel

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