Religion
letze Anpassung 22.11.2025
Meine Einstellung zu Religion
Kurz zusammengefasst meine ich: Abgesehen von allem, was an Religionen durchaus anziehend und positiv sein oder erscheinen kann erachte ich sie doch letztlich als einTrugbild menschlicher Vorstellung und damit eine Fiktion.
Religion entspringt dem tiefen Bedürfnis des Menschen nach Halt, Sinn, Führung, Spiritualität usw.. Sie erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl, bietet oftmals Schutz und Hilfe, Zugehörigkeit aber auch Abgrenzung. Das alles kann als sehr positiv empfunden werden.
Weltweit gibt es (gem. Wikipedia) mehrere tausend Religionen/Glaubensgemeinschaften. Die grössten und wichtigsten sind: Alevitentum, Bahaitum, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Jesidentum, Judentum, Shintō und Sikhi. Allein das Christentum ist in drei grosse Zweige aufgeteilt und diese wiederum in viele weitere Untergruppen. Viele Religionen behaupten, mehr oder weniger der einzige Weg zu "Gott" zu sein. Allein schon dieses gesamte religiöse Wirrwarr zeigt meiner Meinung nach auf, dass es beim Thema Religion einzig um Menschliches und nicht um Göttliches geht.
Ich habe mich mit ca. 30 Jahren bewusst gegen den christlichen Glauben - und Religion ganz allgemein - entschieden. Ich wusste, dass ich "Gemeinschaft" verlieren würde - gewonnen habe ich Freiheit. Auch konnte ich ein Gefühl abschütteln, das mich hin- und hergerissen hat zwischen dem damaligen Glauben und meiner Realität. Ich sagte Gott zum Abschied: "Du weisst, wo Du mich findest" aber er hat sich seither nie gemeldet! Dieser Gedanke damals war durchaus ernst gemeint. Ich wollte nicht länger einer "Idee" nachfolgen - wenn Gott für mich wirklich erfahrbar gewesen wäre - so voll real - ich hätte wohl kaum Probleme damit.... Womit ich aber ein Problem habe ist dass Gott existieren soll, nur weil ich es glaube!
Ich selber kenne nur die christliche Religion und Glaubenslehre. In christlichen Kreisen z.B. wird oft behauptet, Gott habe mit einem gesprochen - man habe Gott wirklich persönlich erfahren. Diese "Gewissheit" wird als Realität empfunden. Diverse Situationen und Erlebnisse werden als direkter Fingerzeig Gottes interpretiert und dienen als Beweis für die "Führung Gottes". Viele christliche "Gläubige" treten mit einem Sendungsbewusstsein auf und "brennen" dafür, andere Menschen zum wahren Glauben zu führen. Aus meiner Sicht handelt es sich hierbei vor allem um Mechanismen der Selbstbestätigung.
Die brennenden Fragen
Ja, warum brauchen Menschen Religion, damit möchte ich mich hier kurz auseinandersetzen. Letztlich ist das natürlich (m)eine Meinung - so wie der Glaube auch!
Aus WIKIPEDIA entnehme ich einen Text zu Albert Einstein. Ich suchte ihn, insbesondere, weil es gerade unter Physikern viele gläubige Menschen gibt, die in der Grösse dessen, was sie erforschen zwingend ein göttliches - übergeordnetes Handeln schlussfolgern. Es gibt diverse Hinweise im Internet betreffend nahmhaften Physikern, die sich klar zum christlichen Glauben bekennen (z.B. AntonZeilinger). Was ich mich dann immer gefragt habe ist: "Aber warum ist dann genau der christliche Glaube der Richtige?" und ich kann nur eine Schlussfolgerung als stichhaltig erkennen - weil der christliche Glaube in diesen Wissenschaftlern bereits vorhanden war.
Albert Einstein - wie gesagt - findet dazu eine für mich viel passendere und stimmige These: "Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe dies nie geleugnet, sondern stets deutlich zum Ausdruck gebracht. Wenn es etwas in mir gibt, das man als religiös bezeichnen könnte, dann ist es meine grenzenlose Bewunderung für die Struktur der Welt, soweit sie uns die Wissenschaft erschließen kann."
Mit dieser Aussage kann ich mich absolut identifizieren - auch ich kann mir vorstellen, dass über all dieser Grossartigkeit des Universums noch etwas anderes sein kann. Das Universum aber kann nicht dazu dienen, Gott zu beweisen und schon gar nicht irgendeine Glaubensausprägung - denn diese sind alle menschlich!
Wie sind Religionen entstanden? Nehmen wir z.B. das Volk Israel - ein Volk, das sich (lange vor unserer Zeitrechnung) auf der Flucht befindet. Nur fort aus der Unterdrückung der Aegypter... Aber je länger diese Reise dauert, um so mehr Unzufriedenheit und Streit entsteht. Mose, der damalige Anführer dieses flüchtenden Volkes hat eine Idee. Er geht (so überliefert es die Bibel laut späterer Aufzeichnung eines jahrhunderte zurückliegenden Ereignisses) auf einen Berg, entzündet dort ein grosses Feuer und kommt mit 10 Geboten zurück zu seinem Volk. "Gott" hat sie ihm auf dem Berg Sinai übergeben - so sagt er. Damit erhalten die Gebote die notwendige Autorität und Mose kann wieder Ordnung in sein Volk bringen.
Die 10 Gebote sind bis heute einer der Grundpfeiler christlich geprägter Länder und Regionen und der "westlichen" Werteordnung. Aus meiner Sicht ein sehr einfaches und grundsätzlich stimmiges Grundgesetz menschlichen Zusammenlebens. Aber beweist oder erklärt dieses Ereignis oder diese Erzählung in irgendeiner Weise die Existenz Gottes? Nein, natürlich nicht. Aber diese Erzählung zeigt eine ganz wichtige Funktion von Religion im Zusammenhang mit ihrer Entstehung, nämlich die Notwendigkeit und das Verlangen nach Ordnung im menschlichen Zusammensein.
Ein weiterer Aspekt von Religion ist das menschliche Bedürfnis nach Halt und nicht zuletzt die latente Lebensangst.
"Hast Du denn gar keine Angst vor dem Leben nach dem Tod?" - eine Frage, die mir zuletzt von ein paar Christen in meinem Alter gestellt wurde. Diese Frage hat mir wieder deutlich gemacht, dass Glaube Halt vermitteln kann. Und den kann man in einer Welt, die oftmals so furchtbar und unmenschlich ist doch gebrauchen. Themen wie Judenverfolgungen oder die aktuellen Kriege in der Ukraine, Gaza, dem Sudan wühlen uns auf und schüren Angst. Aber auch Hungersnöte und Krankheiten, Unmenschlichkeit die wir erfahren oder die schlichte Frage nach dem, was uns nach dem Tod erwartet belasten uns und wir suchen nach Antworten... Was ist der Sinn von alledem? In dieser Unordnung, Unsicherheit und Not bietet Religion Erklärung und Halt. Auch wenn dem der Schein der Illusion anhaftet - es scheint dennoch oft plausibler und angenehmer zu sein, als die nakte Lebensrealität, der wir ausgeliefert sind.
Göttlichkeit sähe meiner Meinung nach anders aus! Sie müsste sich nicht eines Sonnengottes, Papstes, oder Ajatollas und auch nicht eines Buddas oder Dalai Lamas bedienen. Sie müsste keine Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und auch keiner Selbstmordattentäter hervorbringen, um uns Menschen auf den richtigen Weg (oder in die Hölle) zu bringen. Sie bräuchte keine Institutionen wie Kirchen und schon gar keinen Milo (siehe Videobeitrag von SRF). Und der Gedanke, dass Gott seinen eigenen Sohn opfert, um unsere Schuld zu sühnen - das sind doch allzu menschliche Gedanken finde ich! Letztlich sind Religionen sogar einer der wesentlichsten Ursachen für verheerende Kriege und Massaker - wie göttlich ist das denn?
Göttlichkeit können wir uns schlicht nicht vorstellen, denn sie stünde ausserhalb sämtlicher Vorstellungskraft. Wozu also dann menschliche Trugbilder von Göttlichkeit erfinden und sich von Ihnen knechten lassen? Sie helfen uns schlicht nicht weiter und im Konkurrenzkampf der Religionen entzweien sie die Menschen mehr, als dass sie uns Frieden bringen können.