Fehlende skills und Fehlentscheidungen - wir sind der "human factor"
November 2025 (letzte Bearbeitung am 14.1.26)
Im Internet finden sich viele Videos, wo blöde oder auch schlimme Sachen gezeigt werden. Gar nicht mein Ding, aber das gibt viele Klicks...
Ich denke, dass es aber dennoch Sinn machen kann, sich ab und zu sowas anzuschaun und drum zeige ich hier auch zwei exemplarische Beispiele, die den "human factor" gut verdeutlichen können. Letztlich sollte man sich das nur Anschaun, um daraus zu lernen!
VIDEO 1: Absturz
Was mir aufgefallen ist:
- bei der Pilotin: Sie schaut vermutlich zuviel auf Vögel, Kappe und Landschaft und hat den anderen Piloten viel zu wenig im Fokus
- Sie ist von einem Gespräch am Funk abgelenkt!
- Crash erfolgt durch Verschulden des anderen Piloten, aber auch die Pilotin hat ihm in diesem Moment viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt!
- bei beiden: permanent "versetztes Kreisen" = erhöhte Zusammenstossgefahr (kein geordnetes und damit überschaubareres Kreisen)
- bei der Pilotin: Fehlende Antizipation eines Zusammenstosses und zu schwache Notreaktion
- Panik und Schockverhalten bei der Pilotin während des Absturzes
- bei der Pilotin Notschirmproblem: vermutlich schlecht gepackt und allenfalls auch schlechte Handhabung
- bei der Pilotin: fehlende skills (Hauptschirm einholen)
Mein Gedanke dazu: Letztlich ist dieses Video ein gutes Beispiel dafür, dass wir als PilotIn ("human factor") bei sehr vielen Unfällen Teil des Problems sind. Dieser Unfall wäre nicht passiert, wenn beide Piloten/In besser aufgepasst und frühzeitig reagiert hätte. Blockaden, mangelhafte Wartung des Notschirms und fehlende skills während des Notabstiegs generieren zusätzliche Gefahren! Glücklicher Weise ist er für beide Betroffenen glimpflich ausgegangen!
VIDEO 2: Fehlstart
Was mir aufgefallen ist:
- Mit diesem Knopf dürfte der Biplace Pilot niemals starten - aber...
- Der Wind hebelt den Piloten tendenziell aus - nur absolut rasches Handeln hätte diesen Start vielleicht noch verhindern können - allerdings wohl verbunden mit einem Schleifen hangaufwärts, wie es letztlich bei der "Landung" dann zu sehen ist.
Auch hier muss man sagen, dass das Hauptproblem beim Piloten liegt - die Situation allerdings ist problematisch und ein Startabbruch schwierig. Es fragt sich, ob beim Auslegen des Gleitschirms genügend Aufmerksamkeit verwendet wurde, um mögliche Knotenbildung zu verhindern... Wenn man aber mal in der Situation drin ist (d.h. trotz Knoten abgehoben) bleibt nur noch möglichst besonnenes Vorgehen. Auch das scheint mir hier nicht erkennbar zu sein. Das Agieren des Piloten in Hangnähe birgt erhebliche Gefahren. Aber auch ein Flug gegen diesen Wind mit dem Verhänger würe mit Gefahren verbunden gewesen (Gleitwinkel, schlechte Steuerbarkeit, Strömungsabriss u.a.). Beide haben hier viel Glück gehabt...
Mein Gedanke dazu: Ich habe bei diesem Beispiel etwas gemischte Gefühle. Ich merke, dass ich hier vermutlich auch gestartet wäre, bzw. einen Startversuch unternommen hätte - zumindest solo. Ein Beispiel also für die Fälle, wo Risiko bewusst in Kauf genommen wird und nicht etwa ein Fall von Restrisiko. Natürlich hätte man auch sagen können, dass bei diesen Windbedingungen ein sicherer (h.h. in diesem Fall vor allem "kontrollierter") Start nicht möglich war. Oft aber entscheidet man sich dann eben doch für das Fliegen und damit auch für das Risiko.
Wenn man sich aber trotz der Bedingungen zum Start entscheidet hätte man so gut es geht dafür sorgen müssen, dass die Leinen wirklich frei sind. Ich vermute, das wurde hier nicht wirklich sichergestellt. "Kleines" Versäumnis mit fataler Wirkung. Ich folgere daraus auch, dass wenn wir Risiko in Kauf nehmen die Rahmenbedingungen umso mehr stimmen müssen! "Bin ich fit? Bin ich meinem Gleitschirm gewachsen? Habe ich alle Vorbereitungen nach bestem Wissen erledigt?"