FUSION (EN-C)

FUSION heisst der aktuelle EN-C Flügel von FLOW Paragliders. Die Gütesiegeltests hat er aus meiner Sicht mit Bravour bestanden. Es lohnt sich, diese anzuschaun. Sie lassen gemässigte Reaktionen erwarten und bilden die Basis für fliegbare Leistung bei XC und für Wettkampfeinsteiger. Mittlerweile habe ich ein abschliessendes Bild und komme zu folgenden Aussagen...

Aktueller Stand: 20.11.2020 und 140  Flugstunden auf dem FUSION

Zusammenfassung:

Félipe Recende hat den Slogan "Game Changer" für den FUSION geprägt und ich komme nicht umhin, dieser Flügel eröffnet bei aller Ruhe, die er hat, wirklich ein gutes Potential, das sich nun auch in starken Verhältnissen bestätigt hat.

Stabilität und Beherrschbarkeit: Auch in sehr starker Thermik vermittelt der Fusion eine grosse Ruhe und Sicherheit. Er dreht willig, bei Bedarf auch sehr eng und mit gutem Tempo. Manchmal nützt bei zerrissener Thermik minimale Beschleunigung, wenn Wind im Spiel ist. Der Flügel ist insgesamt sehr stabil. Die Stabis können mal zappeln, was aber nicht auf den ganzen Flügel durchschlägt und somit "atmosphärische Unruhe"  gut erkennen lässt. Insgesamt sehe ich eine sehr hohe Stabilität und Beherrschbarkeit, die letztlich auch das Fliegen eng am Gelände mit ruhigem Gewissen zulässt.

Handling: Der Steuerdruck ist angenehm aber nicht weich. Der Fusion folgt den Steuerausschlägen willig aber nicht bissig. (Siehe dazu auch meine "Tips" auf der rechten  Seite). Er hat so gesehen eine gute Dämpfung, die den Flug beruhigt. In schwacher Thermik für mich nicht der absolute burner aber völlig o.k. und im Standard. Je stärker die Thermik, umso eher siehst Du die anderen von oben! Richtig cool und in starker Thermik sehr geil! Mit den C-handles lässt sich  grossflächiges Kreisen erzielen.Bis etwa mittlere Besc hleunigung bleiben die C-Handles recht weich und werden dann härter.

Leistung und Tempo:  Beim Gleiten finde ich resultiert in der Summe eine tolle Gleitleistung und ein ansprechendes Tempo (max. bei mir 55 km/h) . Die Kontrolle des Gleitwinkels über die C-Handles trägt ganz klar zu einem besseren Durchschnittstempo im Gleiten bei! Der Flügel bleibt insgesamt meist sehr ruhig und schont Deine Energiereserven deutlich, was vor allem auf langen Flügen eindeutig leistungssteigernd wirkt.

Der FUSION ist für mich ein spannender und lässiger Flügel.  200 km Flug habe ich 2020 leider verpasst - also freu ich mich noch drauf!

Testbedingungen

Startgewicht: ca. 84 - 86 kg (also mittendrin beim S)

Gurtzeug: ADVANCE Lightness3

 

Wenn Dich der Fusion interessiert, dann lies hier meine diversen Flugberichte und wie sich meine Einstellung zu diesem Flügel entwickelt hat.

Erste Eindrücke...

Nach einem Gleitflug am Kronberg mit der Grösse M machte ich mich im Dezember an einem schönen Tag auf nach Fanas. Ich kraxelte bis auf 2041 Meter - gleich neben der Ostflanke. Weiter oben wird es mir zu steil zum Auslegen.

Beim Sortieren der Leinen fällt auf, wie wenig es sind. Wirklich beeindruckend, wie man heutzutage wenig Leinen braucht. Die Hybridkonstruktion (siehe die Zeichnung ganz oben) von Félipe trägt gewiss noch ein bisschen dazu bei. Sortieren also ganz einfach und so auch der Start.

An dieser Stelle muss ich nun gestehen, dass ich an diesem Tag statt des S einen ML eingepackt hatte. Der hat einen Gewichtsbereich von 92-115 kg. Mit meinen rund 85 kg Abfluggewicht war ich an diesem Flügel also klar untergewichtig und das Verrückte ist - ich habe es nicht gemerkt. Der FUSION kam auch im ML-size sehr brav hoch (windstill), ohne Tendenz zum Hängenbleiben oder Ueberschiessen. (zum Flug1) (zum Flug 2)

         

Die Anfangsphase des Fluges (ich = dummy) war geprägt von Höhenverlust...  Nach 20 Minuten - ich befand ich mich am Tiefpunkt auf 1670 Meter - fand ich Thermik, die mich endlich nach oben brachte - langsam und Meter für Meter. Der Einstieg war mega eng - direkt an der Krete und ich musste auf engstem Raum zirkeln und versuchen, im Aufwindbereich zu bleiben. Umso erstaunlicher ist, dass mir das mit dem übergrossen Flügel überhaupt gelang - zum Glück. Der FUSION zeigte sich als wendig und in der Folge habe ich ihn dann wirklich oft gequält mit starkem Steuerausschlag und Gegenbremsen, um möglichst langsam und eng in der schwachen Thermik Höhe zu machen. Der FUSION hat das toll mitgemacht! Ich würde das als eine klare Stärke von ihm ansehen, dass man ihn in der Thermik sehr eng rannehmen kann und wenn man berücksichtigt, dass der Flügel untergewichtig geflogen wurde ist es umso erstaunlicher, dass das alles ohne Abreisstendenz und mit willigem Drehen möglich war! Langsam, langsam kam ich auf Höhe und befand mich - eine gute halbe Stunde nach dem Start - wieder auf Startplatzhöhe.

Othmar war unterdessen mit seinem Nyos auch gestartet und konnte seine Startplatzhöhe von Anfang an gut verteidigen und ausbauen. Nach 40 Minuten waren wir wieder zusammen und konnten ein bisschen in der Thermik vergleichen und (ganz wichtig) Fotos und Videos machen.

Kurz - es war heute keiner in Fanas, der mich ausdrehen oder von unten einholen konnte. Das bestärkt mich in dem Eindruck, dass der FUSION eine sehr gute Leistung in schwacher bis mittlerer Thermik hat (max Steigen bei mir 2.7m), dürfte aber auch dem geringen Gewicht zu verdanken sein. Was ich aus diesem Flugtag ausserdem mitnehme ist also die unabsichtlich erlangte Erfahrung, dass der FUSION kein Problem mit wenig Gewicht hat. Ich kann ihn wirklich im ganzen Gewichtsbereich empfehlen. Dies dürfte vor allem für wirklich Leichtgewichtige interessant sein. Probier das S erst mal aus - es könnte auch für Dich passen!

Nachdem ich den Sassauna so schön überhöht hatte machte es mich an, reinzulanden. Ist doch immer wieder spannend.

Nach dem erneuten Start flog ich nochmal die Thermikritsch ab im Westen, aber jetzt wurde es langsam langweilig. So machte ich mich - trotz geringer Ausssichten auf viel Thermik - auf den Weg zum Höchsteli.

Mit ständigem Höhenverlust, aber dennoch gutem Gleiten kam ich dort an. Othmar, der mir folgte, konnte aus dem stark verschneiten Gelände nochmal 100 Meter rauskitzeln. Wir flogen nun wieder Richtung Haupttal und querten später Richtung Fanas. Vergleicht man den Gleitflug von Othmar mit seinem EN-B und den vom FUSION, dann kann man klar den Unterschied im Gleiten erkennen. Ich sah meist Gleitzahlen von 9, 10 und höher. Mit der C/B Steuerung lässt sich der Anstellwinkel effizient regulieren und man gewinnt durch den eingesparten Widerstand (Bremseinsatz) schlicht und einfach Gleitleistung. Mit der kann man echt was anfangen - ich freue mich drauf!

So, das war nun mein erster Eindruck mit dem FUSION - unabsichtlich in untergewichtiger Variante, aber dennoch sehr interessant und informativ.

Am 5. Januar 2020 - konnte ich dann einen weiteren Flug am Kronberg machen - diesmal mit der richtigen Grösse und dem FUSION im Design Ocean.

Ich startete ca. um 13:00 Uhr - schon ein paar waren voraus gestartet und man konnte zwei Piloten beobachten, die auf der Südseite leichtes Steigen gefunden haben und sich eine Weile dort halten konnten. Als ich startete waren alle Schirme weg - ich wollte aber auch versuchen, etwas aus der Südseite herauszukitzeln. Zuerst war nichts zu finden und erst recht spät und bereits zu tief, um noch auf die Nordseite zu kommen, fand ich Steigen - ohne Vario eine spannende Sache und ich musste mich fest an den Tannen und dem Gelände orientieren und natürlich auf die Thermikeigenschaften konzentrieren. Es war genial, wie präzis und sauber ich den FUSION in dieser extrem schwachen Thermik steuern konnte und ich sehe, dass auch dieser Flügel das hat, was mir am XCRacer so gefällt - ein wunderbares Thermikgefühl. Dass ich ohne Vario diese schwachen Bedingungen ausfliegen konnte und ca. 150 Meter Höhe machte (reichte dann auch für an die Nordseite) ist für mich ein wunderbares Indiz für das, was in der kommenden Saison mit dem FUSION möglich sein wird.

Wintertraum am 26.1.2020 (zum Flug)

Ich hatte Glück, dass ich mich nicht vom gedämpften Wetterbericht abhalten liess und am Sonntag 26.1. dennoch nach Fanas fuhr. Zusammen mit 3 Fliegerkollegen machten wir uns auf zum Fusse des Sassauna. Unser Optimismus wurde reichlich belohnt und wir erlebten einen raschen Aufbau fast frühlingshafter Thermik. Ideal, um den FUSION in der richtigen Grösse nochmals zu testen und mit einem Flug von 2:37h und geflogenen 46 km kann ich nun doch schon wieder etwas mehr Erfahrung weitergeben. Der Flug bestärkt mich darin, dass der Fusion ein schöner und zügig fliegender Flügel ist, der in der Thermik sehr ruhig steigt, dabei schön eng genommen werden kann und immer gut läuft. Kein "Stehen bleiben" und keine Nickerei um die Querachse.

Im Vergleich mit dem GIN EXPLORER, (EN-B) der für mich in der Thermik als Referenzmodell gilt, macht er sich gut - aber auch nicht besser. Der EXPLORER steigt in der Thermik wirklich sagenhaft. Im Tempo allerdings meine ich ist man mit dem FUSION (EN-C) dann gleich einen tick schneller und beim Beschleunigen kann er einen oben drauflegen. Insgesamt blieb er sehr ruhig und hatte nur wenig Unruhe in der Kappe und keine Klapptendenzen. Das Fliegen an den C-handles gefällt mir nach wie vor super beim FUSION - allerdings mit den Winterhandschuhen geht das nur sehr eingeschränkt.

Mit dem FUSION unterwegs im Rheintal - 26.Januar 2020...

8.2.20 Drehwurm in Fanas (zum Flug)

Mit einem Hike auf den winterlichen Sassauna begann dieser spezielle Flug in Fanas. Die Thermik konnte sich an diesem Tag nur gaaanz schwach ausbilden und Fanas erfüllte tatsächlich nur gerade mal die schwache Prognose...

Das hiess, dass ich mit dem Fusion rund 90 Minuten in einem Bereich von rund 500 Meter Durchmesser in der schwachen Thermik ums "Ueberleben" kämpfen musste. Der FUSION hat mir dabei sehr gefallen und konnte im Vergleich zu meinem Referenzgerät - dem EXPLORER von GIN - durchaus punkten. Die spürbar höhere Geschwindigkeit beim Kreisen ermöglichte immer wieder das Mitnehmen von pulsierenden Blasen und das Umsetzen in Höhe, wo der Explorer zwar auch eine gute Falle machte, aber dennoch eher im Nachteil war. Das extrem enge Fliegen - mit für meine Begriffe erstaunlich wenig Kurvensinken - machte es möglich, die vielen extrem schwachen Phasen zu überstehen.

Ueber dem Tal angekommen dann ein erster Test des Stallverhaltens. Der Flügel brauchte extrem lange, bis nach einem gefühlten Sackflug dann endlich der Abriss kam. Ich werde das noch mehrmals testen. Nach dem Loslassen absolut ruhiges anfahren und sofortige Beruhigung der Kappe. Mehrfacher massiver Seitenklapper (50%) ohne Gegensteuern mit leichtem Abdrehen und selbständiger Oeffnung. Nicht impulsiv. Sehr schön. Ohren Anlagen geht dank der separierten äusseren A-Leine einfach und der Flügel bleibt ruhig - auch die Ohren flattern nicht. Steilspirale liefert erhebliche Sinkwerte - nichts für mich ;-)   Beim Speedtest ermittle ich rund 15 km Beschleunigung.  Mit dem FUSION werde ich ganz sicher in die XC-Saison starten und bin sehr gespannt, wie ich die Fähigkeiten dieses Flügels in Tempo umsetzen kann!

18.3.2020 "Hammertag"

Nun konnte ich den Fusion auch mal an einem Hammertag fliegen - Hammer sag ich Euch. Ich muss das so sagen, denn ich finde wirklich, dass ich mit dem Fusion "über den ganzen Flug gesehen" eine super Leistung fliegen konnte. Ich erzähle Euch hier mehr zu diesem Flug ab Pany im Prättigau...

Für einmal wieder hatte ich ziemliche Aufwärmprobleme. Die anderen zogen davon und ich kämpfte mich langsam und ungeduldig nach oben. Erst mit den nächsten Flügeln, die von unten raufkamen gelang es mir dann, weiter hinauf zu kommen. Im direkten Vergleich war dann klar, das war nicht der Flügel, sondern der Pilot.

Aber danach flog es super und ich fand in den Rhythmus. An der Madrisa starke Thermik mit Steigwerten bis 8m. Der FUSION mag das - tatsächlich - je stärker destop schöner fand ich und konnte jeweils sehr schnell auf Höhe kommen. Dabei half mir wieder dieses enorm enge Drehvermögen des Schirms und beim Gleiten auch sein flottes und sehr ruhiges Gleiten. Der Andi hat mich beim Fliegen mit einem kleinen Klapper erwischt...

Diesen kleinen Seitenklapper zeige ich Euch gerne und sage folgendes zur Stabilität. In der starken Thermik gab es gar keine Klapper. Diese kommen am ehesten in zerrissener Thermik oder beim Durch- oder Einfliegen in die Thermik. Wenn man die Steuerleinen anschaut ist einem klar, warum sie kommen - die äusserste Bremsspinne ist noch locker, wenn die Hinterkante auf Zug ist. Der Stabi wird erst beruhigt, wenn man den Flügel leicht anbremst. Das ist also Absicht. Kleine Stabiklapper sind daher einfach ein Warnzeichen und machen Dich vorsichtiger - ansonsten aber war der Flügel enorm stabil und absolut gut beherrschbar. Seitenklapper war kein Thema! Ich bin begeistert vom FUSION. In diesem Flug konnte ich im Vergleich zu anderen sehr guten und bekannten Piloten wirklich eine schöne Leistung erfliegen, was mich tatsächlich darin bestärkt, dass der FUSION seinem Piloten fliegerisch ein hohes Potential erschliesst.

Es soll nicht täuschen, dass an diesem Tag punktemässig bessere Flüge im Prättigau geflogen wurden. Die Punkte waren mir völlig egal, denn der XContest ist sistiert wegen Corona. Mein Ziel war das Nachhausefliegen .

Am 8.4.20 war ich nochmal in Pany und erlebt einen sehr eindrücklichen und glücklichen Flug mit einem durchschnittlichen Tempo von 26,5 km/h. Mit dem FUSION kann ich wirklich für meine Verhältnisse recht flott fliegen...

Bis es von mir einen Testvideo gibt dauert das noch. Als nächstes werde ich die Sicherheit anschaun und Stall, Vrille sowie Klapper ausprobieren....     Schaut einfach wieder mal rein, oder noch einfacher - "probefliegen"!

Fotos vom Fusion: Othmar, Ariane, Ralf, Tobias, Andi

 

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Interview mit Félipe Recende über den neuen Fusion (EN-C)

Test FUSION

Test im XC mag

Meine Tips zum Fliegen mit dem FUSION

Tip 1 - Steuerleinengeometrie erlaubt Variation des Steuerverhaltens

Schaut man beim Gleiten an die Hinterkante des FUSION, so sieht man, dass die äusserste Bremsleinenvergabelung (die zum Stabi führt) stärker durchhängt als die restlichen Bremsleinen.

  • Bei einsetzendem Zug auf die Bremsleine (Armposition im 90°-Winkel) setzt der Zug auf die Hinterkante nur im inneren 3/4 der Kalotte ein. Erst mit weiterem Ziehen kommt dann auch auf den Stabibereich Zug. Der Flügel dreht so flach und eher grossräumig (zumindest verglichen mit der nachfolgendem Vorgehensweise). Der Flügel bleibt über dem Piloten.
  • Wird die Hand näher an den Kopf gezogen und der Winkel des Ellbogens somit < 90°, so wird die äusserste Bremsspinne sogleich aktiviert und der Flügel geht deutlich impulsiver in eine Drehbewegung. Dabei stürzt er auch deutlich.

Mittlerweile habe ich es mir schon richtig angewöhnt, diese Eigenschaft des FUSION aktiv zu nutzen. Geht es um eine Beruhigung des Flügels im Geradeausflug oder das flache Drehen, so bleibe ich im 90°-Winkel. Will ich aber eine rasche Drehbewegung einleiten, um z.B. einen engen Schlauch zu zentrieren, so geht die Hand automatisch nach innen und dann aber "Hoppla!". Soll die Drehung eng, aber nicht rasch erfolgen (also den Sturz vermeiden) so sollte auf der Aussenseite gestützt werden...

Tip 2 - Beschleuniger Nutzen

Nur schon leichtes Beschleunigen bringt oftmals deutliche Unterschiede im Gleiten. Fokussiere beim Gleiten und Geradeausflug auf den Gleitwinkel und optimiere mit dem Beschleuniger!

Ist Wind im Spiel kann es gut sein, dass Du gegen den Wind in der Thermik leicht beschleunigt wieder ins Zentrum vorstossen solltest. Ich benutze in der Thermik oft den Beschleuniger...

 

Meine Flüge mit dem FUSION

Hier geht's zu meinen besten Flügen mit dem FUSION   weiter...

WINTERTRAUM mit dem FLOW FUSION S

FUSION im Dachsteingebirge

Testbericht von Ziad Basil