Erpresser in Not
Artikel vom 16.03.2026
Vor gut 2 Wochen begannen die USA und Israel ihren gemeinsamen Feldzug gegen den Iran. Die Deutsche Tagesschau titelt: "Regime unterschätzt, Partner vergrätzt" Es sieht danach aus, dass trotz unglaublicher militärischer Aktivität die erhoffte Wirkung - zumindest bis dato - noch nicht erzielt werden konnte. Klar definiert wurde das Ziel ohnehin nicht! Am ehesten ist dieser Krieg aus israelischer Sicht erklärbar, das seinen Widersacher nun endgültig zerschlagen möchte. Ob das aber jemals möglich ist - angesichts des brutalen Vorgehens und angesichts der Tatsache, dass auch in Israel selber vieles nicht im Sinne einer Völkerverständigung abläuft ist jedoch höchst zweifelhaft. Es ist überhaupt die Frage erlaubt, ob dieses Ziel jemals zu erreichen ist. All die vorausgegangenen Kriege und Aggressionen führten schliesslich nicht zum Erfolg. Einzig wohl eine ehrliche und auf beidseitige Vorteile und unter Berücksichtigung der beidseitigen Interessen geführte Annäherung hätte allenfalls Chancen für einen langfristigen Frieden im Nahen Osten. Ganz sicher müsste aus meiner Sicht aber auch die Verknüpfung weltlicher und religiöser Macht auf allen Seiten zurückgebunden werden, denn was wir im Nahen Osten erleben ist letztlich religiöser Kultur- und Machtkampf.
Die Rolle der USA jedoch - einerseits als Schutzmacht Israels und andererseits seit Trumps zweiter Amtszeit als Weltmacht mit einer ideologisierten, korrupten, machtgierigen und schamlosen politischen Führung ist weitaus unklarer. Hier handelt es sich nicht mehr "nur" um einen begrenzten Schlag gegen atomare Militärtechnologie. Ein amerikanischer Präsident, der es "in den Knochen spürt, wenn es Zeit ist, den Krieg zu beenden" entzieht sich bewusst rationaler Logik. Ebenso scheint die Ratio ein Problem bei der Planung dieses Feldzuges gehabt zu haben und genau das spricht der Titel der Tagesschau (siehe oben) an. Der Widerstand bzw. die Widerstandsfähigkeit des Islamischen Staates wurde vermutlich unterschätzt, die allfälligen Hoffnungen auf einen Putsch von unten wurden nicht erfüllt und zusätzlich sind mit den Angriffenen des IRAN auf seine westlich orientierten Nachbarstaaten das Vertrauen der Golfstaaten in die USA als verlässlicher Partner vermutlich auf einem Tiefpunkt angelangt. Die Golfstaaten wurden den "Nebenwirkungen" des Feldzugs gegen den IRAN ohne Vorbereitung und wirksamen Schutz durch die USA ausgeliefert. Wie also soll in dieser Region Frieden eine Chance bekommen - durch diesen Krieg mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht!
Und nun dürfte Trump innenpolitisch unter Druck stehen, aber auch von Seiten Chinas und vielen anderen Ländern. Es ist klar geworden, dass die Folgen dieses Krieges für die Weltwirtschaft höchst problematisch sind. Die Preiserhöhungen bei Erdölprodukten, Gas etc. sind das eine. Wenn aber auf mittlere Frist Versorgungsengpässe und eine weltweite Wirtschaftskrise drohen, kann das letztlich auch Trump nicht egal sein. Im Herbst stehen Kongresswahlen an - sie könnten für ihn zum Desaster werden!
Trump, der schon eigentlich krankhaft darauf aus ist, als "Friedensbringer" gefeiert zu werden (zur Erinnerung: Nach erfolglosem Druck auf das Komitee zur Vergabe des Friedensnobelpreises liess er sich diesen schliesslich von der Preisträgerin "übertragen" und organisierte mit der FIFA zusätzlich eine lächerliche Zeremonie mit dem FIFA Friedenspreis.) beweist gerade mit diesem Einsatz im Iran, wie weit er von diesem Anspruch tatsächlich entfernt ist. Gleichzeit dürfte er sich in einer Zwickmühle befinden, denn auch nach einem Ende der Angriffe auf den IRAN dürfte es in der Golfregion nicht einfach wieder eine Rückkehr zum "Normalzustand" geben! Die Golfstaaten werden in irgendeiner Weise auf die erlittene Schmach und Bedrohung sowie die ungenügende Partnerschaft der USA reagieren müssen! Auch religiöse Empfindlichkeiten könnten in den Golfstaaten wieder an Bedeutung gewinnen. Der Zusammenbruch der Schifffahrt in der Strasse von Hormus dürfte ebenfalls noch lange dauern. Das Mullahregime wird nicht so schnell vergessen und die Möglichkeit, die ökonomische Anfälligkeit des Westens zu treffen weiterhin nutzen.
Der Begleitschutz der Oel- und Transportschiffe jedoch - in nächster Nähe zum Iran - dürfte militärisch ein riskantes und mit Verlusten verbundenes Unterfangen sein, solange der IRAN weiter militärische Schlagkraft besitzt - und danach sieht's aus. Trump versucht nun, seine westlichen Partner zu erpressen. Nach seinen Zoll-Attacken bringt er nun die Bündnistreue der USA ins Spiel, die er gefährdet sieht, wenn die NATO nicht bereit ist, in der Strasse von Hormus den Schutz der Schiffahrt zu übernehmen. Von Skrupel und Scham ist dieser US-Präsident - wie schon lange bekannt - weit entfernt!
Eines ist klar - die USA sind aktuell neben China wohl das militärisch und wirtschaftlich potenteste Land dieser Erde. Europa ist im Vergleich eindeutig schwach, trotz unserer Grösse. Es hat aber weltweit viele Regionen und Länder, die in einer ganz ähnlichen Partnerschaft und Abhängigkeit zu den USA stehen. z.B. der nördliche Nachbar der USA! Kanada hat jedoch - anders als Europa - von Anbeginn der Erpressungen und diplomatischen "no-gos" harte Kante gezeigt, was ich absolut bewundere und was zudem auch sehr wichtig ist! Zusammen könnten Kanada, Europa, Südkorea, Japan, Australien und anderen Regionen dieser Welt den imperialistisch orientierten Grossmächte etwas entgegenzusetzen. Das dürfte ohne eine erhöhte "Schmerzunempfindlichkeit" dieser Staaten aber kaum funktionieren. Widerstand wird beantwortet - sind wir bereit?
Die aktuelle Forderung an sieben Natostaaten, den von den USA und ISRAEL verursachten Kolatteralschaden im Nahen Osten wieder in den Griff zu bekommen wäre eine Gelegenheit, dem Erpresser und Dealmaker Trump harte Kante zu zeigen. Was er mit diesem Krieg ausgelöst hat muss er auch selber wieder aufräumen. Ob er dazu imstande und willens ist bleibt die Frage... Dass er es wagt, die europäischen Natostaaten mit einer Verknüpfung der Ukrainehilfe zusätzlich unter Druck zu setzen beweist einmal mehr die absolute Schamlosigkeit Trumps. Sie ist für mich in der immer wieder gezeigten Offenheit fast unerträglich!
Wenn wir uns aber in den aktuellen Golfkrieg hineinziehen lassen zeigen wir nur einmal mehr unsere fehlende Bereitschaft zu Eigenständigkeit und den mangelnden Glauben in die eigene Stärke. Ganz nebenbei würden wir damit auch zum Komplizen einer völkerrechtlich und wohl auch aus humanitärer Sicht nicht haltbaren militärischen Aggression - selbst wirtschaftlicher Druck von aussen und innen sollte uns dazu keinen Anlass geben!
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