10 Tips für Deine Sicherheit beim Gleitschirmfliegen

Thema im Aufbau!

Ich habe ja nun einige Artikel zum Thema Sicherheit geschrieben und ich dachte mir, dass für Leute mit wenig Zeit eine Zusammenfassung nicht schlecht wäre. Eine solche Zusammenfassung möchte ich nun erstellen.... 

1. Wenn es ums Fliegen geht - sei ehrlich zu Dir selbst und anderen

Natürlich ist das doch in jedem Fall wünschenswert, oder? Eigentlich möchten wir alle am liebsten "ehrlich" sein, aber Hand aufs Herz - sind wir es auch? Ich denke, wir  sind in vielen Bereichen unseres Lebens mehr oder weniger "maskiert" unterwegs. Allein schon nicht zu sagen, was man weiss oder denkt ist letztlich eine Form von Unehrlichkeit. Das alles gehört aber auch zum Leben, denn "Offenheit entwaffnet", kann verletzbar machen - braucht Mut und kann entzweien. Drum schweigen wir manchmal lieber - auch um kein unnötiges Porzellan zu zerschlagen!

Gerade aber bei einem Sport, der - trotz dem heute hohen Sicherheitsniveau - dennoch klare Risiken beinhaltet, ist Ehrlichkeit mehr als eine Lebenseinstellung, denke ich. Es kann fatale Folgen haben, wenn wir uns selber oder auch andere "belügen". Angefangen bei der Frage "bin ich heute fit?" über das selbstbeschwichtigende "Geht schon!" bis hin zur Bagatellisierung eines gravierenden Fehlers ohne Folgen... Das sind alles Dinge, die verhindern, dass wir und andere wirklich "Lernen", Konsequenzen ziehen und uns ändern (also verbessern)!

2. Wie steht es um Dich?

Du bist der human factor - wie steht's um Dich? Und da sind wir schon wieder gaaanz nah beim ersten Punkt. Sei ehrlich zu Dir selber!

Wie sind Deine Reaktionen? Wir haben häufig Gelegenheit, unsere Reaktion zu testen bzw. uns ein Bild davon zu machen. Meine sind super und sie sind es noch, aber nachlassend. Das habe ich getestet und erlebe es täglich - z.B. wenn ich auf Eis ausrutsche... Da sie aber nachlassen (dem Alter geschuldet) bin ich vor 3 Jahren von EN-D auf EN-C "abgestiegen". Wir müssen also bereit sein, uns selber ehrlich zu betrachten und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen - der Sicherheit zu Liebe.

Schnelle Reaktionsfähigkeit ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für Aktives Fliegen (also das Verhindern von Störungen durch das aktive Eingreifen des PilotenIn)! Spätestens ab high-B ist sie notwendig!

Wie steht es um Deine Ausdauer?​ Zumindest was längere Flüge angeht,  Flüge in stark frequentierten Fluggebieten oder auch Flüge bei anspruchsvollen Bedingungen ist Fitness und Ausdauer wichtig. Fitness kann durch die Möglichkeit Wasser zu lassen, regelmässiges Trinken und kleine Nahrungsaufnahme stark unterstützt werden.

Wie steht es um Angst? In der Flugschule erlebte ich Schüler, die verstanden das Fliegen Lernen als Therapie gegen ihre Angst. Da sehe ich spätestens ab dem B-Schirm Probleme. Blockaden enstehen aus Ueberforderung und Angst. Im Notfall (also kurz vor einem möglichen Unfall) bist Du allein auf Dich angewiesen. Blockaden und Angst führen in diesen Situationen dazu, dass man das Notwendige nicht tun kann - bis hin zum Retterwurf.

3. Bist Du bereit für SPORT?

Eine ganz wichtige Erkenntnis habe ich letzthin gewonnen, als ich Kommentare zu Gleitschirmvideos las. Der Schreiberling erwähnte, dass viele Gleitschirmpiloten "sportliche Ambitionen" hegen, ohne sich bewusst zu sein, was Sport bedeutet. Also z.B.: bewusstes und regelmässiges Training, Weiterbildung, Reflexion (briefing, debriefing), Austausch mit anderen und feed-back erhalten, angeleitete Sicherheitstrainings absolvieren,  Fitness u.v.m.  Beim Gleitschirmfliegen geht es ja nicht um einen Sport wie Joggen (Vergleich bitte nicht herabwürdigend verstehen).  Wir müssen sportliches Gleitschirmfliegen eher mit einer Sportart wie Klettern oder dowhnhill Fahren vergleichen. 

Seine Aussage: Sportliches (ambitioniertes) Fliegen ohne den notwendigen sportlichen background birgt Gefahren.

Wo aber fängt sportliches Fliegen an? Nicht einfach zu definieren. Ich nenne lieber einmal ein paar Stichworte:

- ab high-B aufwärts

- gelegentliche Teilnahme an Wettbewerben oder XC-Wertungen 

- regelmässiges Verlassen der Hausberge

- (selbständiges) Fliegen im Ausland 

- Fliegen in bekannten Streckenfluggebieten

4. Sicherheit verdient oberste Priorität

Ja klar wirst Du denken! Vielleicht regen sich da aber auch kleine Zweifel? Nun, ich denke wir kommen immer wieder in solche Situationen, in denen wir unsere Sicherheit riskieren. Ein Leeschlauch, eine Krete, die wir noch knapp überfliegen wollen, kritische Startbedingungen usw.  Es ist eine Gratwanderung, die wir bei diesem Thema machen, denn es ist klar - zu 100%  umgesetzt würde das bedeuten, dass sehr viele Flüge nicht möglich gewesen wären, bzw. vorzeitig beendet hätten werden müssen.  Das ist zumindest meine Erfahrung und Einsicht nach 35 Jahren Gleitschirmsport.

Erlebt habe ich es hautnah diesen Sommer, als ich in der Euphorie die Idee, auf einer bestimmten Wiese zu landen wichtiger fand, als einen sicheren Landeanflug. In der Hektik steuerte ich statt auf die Wiese in einen Bach... Dazu gekommen ist es in erster Linie, weil ich in der Euphorie diese Fixe Idee auch da nicht aufgegeben habe, als ich merkte, dass der Landeanflug einfach nicht gut passte...

Es ist daher wichtig - rufen wir uns das immer wieder ins Bewusstsein! Sicherheit - auch beim Landen - hat immer oberste Priorität.

5. Trainiere Deine skills

Egal, welchen Sport Du ausübst. Das Lernen endet nie! Vorausgesetzt, Du willst besser werden. Darum gibt es bei fast allen Sportarten Trainings, Coaches, Weiterbildungscamps.

Und bei uns?

Genügt das denn wirklich, wenn ich bei drei Versuchen 2 mal den Landekreis treffe oder meine liegende Acht sauber geflogen bin?

Sicher nicht, wenn Du bei Deinem Sport weiterkommen willst.

Aber auch aus Sicherheitsüberlegungen genügt das aus meiner Sicht absolut nicht. Wir werden als Gleitschirmpiloten quasi mit einer Grundausbildung in die Freiheit entlassen, aber sind wir damit wirklich fachlich und mental gewappnet für Risikosituationen? Lies dazu auch folgenden Beitrag...

6. Du bist Du - Entscheiden solltest Du immer selber!

Nehmen wir an, Du gehst ab und zu an der Kletterwand trainieren... Es käme Dir wohl kaum in den Sinn, deswegen zu versuchen, eine 500 Meter hohe Wand als free-climber zu durchsteigen. Als Gleitschirmpiloten verhalten wir uns aber oft in dieser Weise, weil wir uns zu sehr an andern orientieren ohne zu differenzieren. Es ist aber ein Unterschied, ob Chrigel Maurer Fliegen geht, oder ob ich das tue, ganz einfach, weil sich unsere skills unglaublich stark unterscheiden.

Als eine der grössten Herausforderungen beim Gleitschirmfliegen erachte ich daher, uns selber richtig einzuschätzen.

Das Einschätzen der Bedingungen und ob ich ihnen gewachsen sein werde ist die nächste grosse Herausforderung und tatsächlich keine einfache!

Lege die Verantwortung für Deinen Flugentscheid nicht in fremde Hände - wenn Du fliegst sind es nur deine eigenen Hände, die Dir helfen können!